März 2012
Offener Bücherschrank in Bockenheim
UNTERWEGS
EINER DER KLEINSTEN TÜRME FRANKFURTS STEHT WIEDER
Liebe Bockenheimer!
Ja, genau Sie meine ich! All die lesewütigen Studenten, Senioren, Mütter, Kinder, Väter, Schüler…
Nachdem zu Beginn des Jahres Unbekannte doch tatsächlich den erst drei Monate alten Bücherschrank in der Leipziger Straße in Frankfurt-Bockenheim beschädigten und in die Horizontale brachten, steht er nun wieder, einer der kleinsten Türme Frankfurts: mein geliebter Bücherschrank.
Bücher kostenlos ausleihen, auch mal mitten in der Nacht, wenn ich wieder einmal nicht einschlafen kann, oder meine eigenen Bücher verleihen – eine so tolle alternative zu den Bibliotheken. Einfach wunderbar!
Zahlreiche offene Bücherschränke in ganz Deutschland
Die Idee dieser kostenlosen Bibliotheken entwickelte sich bereits in den 1990er Jahren. Die ersten Bücherschränke standen Ende der 1990er in Darmstadt und Hannover. Heute stehen sie in zahlreichen Städten Deutschlands wie Bonn, Saarbrücken, Erfurt oder Karlsruhe. In Frankfurt findet Ihr weitere Bücherschränke beispielsweise im Oeder Weg, in der Berger Straße oder im Brentanobad.
Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken wünscht Euch
dieKulturtante
Ach, ja übrigens: Ich freue mich natürlich über Gleichgesinnte! Also, schreibt mir Eure Erfahrungen, Geschichten und Tipps rund um die Bücherschränke in Deiner Stadt!
Hol dir den neuen Klingelton
HOL DIR DEN ORIGINAL dieKULTURTANTE-KLINGELTON
Ab sofort könnt Ihr euch den dieKulturtante-Klingelton herunterladen. Super, oder?
Habt Ihr Lust auf einen neuen Klingelton? Dann schaut doch mal in meinem Lädchen vorbei. Da habe ich meine Musik aus dem Trailer gratis zum Herunterladen freigegeben.
Hörspielreihe Grimm-Jahr 2013
WIR WARTEN AUF DAS GRIMM-JAHR 2013
Sieben emsige kleine Zwerge, ein Mädchen mit den vermutlich längsten Haaren der Welt, sieben schlaue Geißlein, ein verwunschener Frosch und eine alte böse Hexe. Das sind wohl die bekanntesten Protagonisten einer Publikation, deren Geschichten heute in fast allen Kinderzimmern zu finden sind – die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm.
dieKulturtante.de macht eine Hörspielreihe in Vorfreude auf das Grimm-Jahr 2013.
Am 20. Dezember feiern wir den 200. Jahrestag des 1812 erschienenen ersten Bandes der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Noch zehn Monate warten? Das sind noch über 266 Tage, 6.384 Stunden oder 383.040 Minuten! Um die Wartezeit etwas zu versüßen, hat sich dieKulturtante etwas Besonderes ausgedacht: eine eigene Hörspielreihe! Jeweils ein Monat lang könnt Ihr Euch auf ihrer Website ein von ihr ausgewähltes und produziertes Märchen anhören und etwas über dessen Entstehungsgeschichte erfahren. Den Anfang der Reihe „Wir warten auf das Grimm-Jahr 2013“ machen wir morgen, den 20. März 2012 mit dem Märchen „Jorinde und Joringel“.
KULTURTIPP
KULTURTIPP
THE GREAT GATSBY – SCHAUSPIELHAUS HAMBURG
Das Leben ist eine Schallplatte, ist eine Torte. Zumindest, wenn man dem Bühnenbild von Gregor Wickert glauben darf, in der Theateradaption des 20er Jahre Bestsellers „The Great Gatsby“.
Das Stück läuft im Hamburger Schauspielhaus zur rechten Zeit, denn die wilden bzw. goldenen 20er Jahre sind wieder „en vogue“ in der westlichen Welt – im Kino („The Artist“), auf dem Laufsteg (sieht verdächtig nach Chanel, Hut und Federn aus) und auf den hiesigen Dancefloors (es wird wieder Swing getanzt). Damals Lebensgefühl einer Krisengeneration, die sich vom finanziellen Unmut nicht länger beuteln lassen wollte und stattdessen lieber mit dem leeren Geldbeutel um sich warf. Es fand sich ja immer irgendwo eine Flasche Champagner oder eine Liebschaft, die sie bezahlte. Heute zahlen wir unseren Billig-Sekt zwar selbst, aber das Gefühl von damals ist gleich und hier. Während Politiker Reden schwingen, schwingen wir lieber das Tanzbein – oder so ähnlich.
Männer im Tweed
Zurück zur Bühne: Gatsby entert das Schauspielhaus. Wörtlich. G-A-T-S-B-Y prangert in großen, dreidimensionalen Lettern über der Bühne. Falls man während der Vorstellung aufwacht und sich fragt, in welchem Theaterstück man noch mal sitzt...! Es dreht sich jedenfalls um das Mysterium Gatsby, das verlautbaren die Buchstaben um den faszinierenden Mann von nirgendwo. Das einzige was Daisy, ihr Mann, Jordan und Nic wissen, ist, dass er es finanziell zu etwas gebracht hat. Wie, ist unwichtig, der sichtbare Wow-Effekt seines Prunks überstrahlt zunächst kritische Fragen zu Gatsbys Person. Den Namen, „Gaaatsby!“, lassen sie und die Nachbarschaft sich regelmäßig im Munde zergehen, denn zu seinen prunkvollen Parties mit exquisitem Essen und teurem Champagner werden sie alle eingeladen: Die hysterischen, gefiederten Gackerfrauen in Pailettenkleidern und die süffisant lallenden Männer im Tweed.
Eine überdimensionale Sahnetorte
Das Upper Class Leben ist eine einzige, sich wiederholende Party und genau dadurch entsteht die Monotonie – wie bei einer Schallplatte, die ständig wieder von vorne abgespielt wird, versinnbildlicht das sich drehende Bühnenbild auf einer runden Drehscheibe. Plakativ auch der Gatsby-Palast, eine überdimensionale Sahnetorte, nach dem Motto „fetter geht’s nicht“. Man merkt dem Bühnenbildner, der vielleicht gerne Konditor geworden wäre, den Spaß an der Gestaltung an. Drei Lagen hat das Tortenhaus, nebst Sahnehäubchen, Lametta und Marzipankäfer. Ein grotesker Augenschmaus und eine leckere Idee.
Ein gesellschaftskritisches Sozialdrama
Man fragt sich, ob die Schauspieler konsequenterweise an Überzuckerung leiden und deshalb affektiert, laut und unbeherrscht herumgestikulieren. Ihre Charakterzeichnung ist einfach, plakativ, undifferenziert. Das einzig Dreidimensionale an dem Stück ist das Bühnenbild – wenig, im Angesicht des vielschichtigen und distinguierten Originals von F. Scott Fitzgerald aus dem Jahr 1925. Was einst als gesellschaftskritische Sozialdrama gedacht war, Kritik an der Unbändigkeit des Amerikanischen Traums ausübte und die Abgründe des Einzelnen psychologisch feinsinnig auf die Spitze trieb, verschwimmt in Markus Heinzelmanns Inszenierung völlig.
Die Figuren verkommen zu seelenlosen und derben Personen mit einigen Choreographien in Laurel & Hardy Manier. Von der Diskrepanz der Upper-Class-Etikette und hintergründigem Sinn zwischen den Zeilen keine Spur! Stattdessen fällt häufiger Arschl**** und schei*** als man zu hören braucht, offensichtlich in beabsichtigter Komik, die einen Fitzgerald-Fan eher verdrießlich machen wird.
Zur Marionette degradiert
Die tragische Liebesgeschichte geschieht so nebenbei und kommt platt und unglaubwürdig daher, der Konflikt der handelnden Personen ist nicht ausgearbeitet. Der Erzähler, Gatsbys Freund Nic, wird in dieser Inszenierung zur lächerlichen Marionette der reichen Gruppe degradiert. Anders als im Roman, wo er intellektuell und weise reflektiert, die Fassaden der Upper Class durchschaut und für den Leser bewertet.
„The Great Gatsby“ ist und bleibt eine spannende Geschichte, der dieser Inszenierung immerhin folgt. Einige gute possenhafte Gags sind dabei. Fans des Romans werden den Tiefgang vermissen – gehaltvoll ist höchstens das Sahnetorten-Bühnenbild.
Falls Sie noch ein paar Kalorien vertragen: „The Great Gatsby“ läuft im Hamburger Schauspielhaus:
22.03.2012, 20:00 Uhr
31.03.2012, 20:00 Uhr
06.04.2012, 20:00 Uhr
(von Linda Marschall)
Leserbrief
LESERBRIEF
Liebe Kulturtante,