April 2012

JORINDE UND JORINGEL

WIR WARTEN AUF DAS GRIMM-JAHR 2013

Jorinde und Joringel aus der dieKulturtante-Hörspielreihe "Wir warten auf das Grimm-Jahr 2013"

Die Brüder Grimm sammelten zu Beginn des 19. Jahrhunderts eifrig Märchen. Märchen sind in allen Kulturkreisen bezeugt und in frühesten Schriftzeugnissen überliefert. In meiner Hörspielreihe "Wir warten auf das Grimm-Jahr 2013" begebe ich mich auf Entdeckungstour nach den etwas unbekannteren Märchen der Brüder Grimm.

WIR WARTEN AUF DAS GRIMM-JAHR 2013

JORINDE UND JORINGEL BEKOMMEN GESELLSCHAFT

dieKulturtante-Hörspielreihe "Wir warten auf das Grimm-Jahr 2013"

Am Freitag ist es so weit – Jorinde und Joringel bekommen Gesellschaft! Am 20. April 2012 geht es weiter mit meiner Hörspielreihe „Wir warten auf das Grimm-Jahr 2013“. Seit gespannt auf eine ziemlich lustige Geschichte mit einer ziemlich dummen Frau, die dank ihrer Dummheit doch noch die ganze Welt rettet – denkt sie!

 

In meiner Hörspielreihe "Wir warten auf das Grimm-Jahr 2013" begebe ich mich auf Entdeckungstour nach den etwas unbekannteren Märchen der Brüder Grimm. Jeden Monat präsentiere ich Euch ein neues Märchen aus den „Kinder- und Hausmärchen“ von Jacob und Wilhelm Grimm.

UNTERWEGS

UNTERWEGS

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt zeigte die erste Titanic-Verfilmung "In Nacht und Eis" von 1912 anlässlich ihres Thementages „100 Jahre Untergang der Titanic“
Deutschland 1912. R: Mime Misu. D: Waldemar Hecker, Mime Misu, Otto Rippert. Ca. 41 Min. 35mm. (Foto: Deutsches Filminstitut)


IN NACHT UND EIS!


Heute, vor 100 Jahren rammte das seinerzeit modernste Luxusschiff einen Eisberg und sank binnen weniger Stunden auf den Grund des Atlantiks – die RMS Titanic.

Die legendäre Schiffskatastrophe vom 14. April 1912, bei der über die Hälfte der Menschen an Bord starben, wurde vielfach filmisch thematisiert. Wievielmal die Titanic an der Kinoleinwand unterging? Etliche Male – zu mindestens 36-mal, denn sovielmal wurde die Katastrophe bereits verfilmt. Die wohl berühmteste Verfilmung kennen wir vermutlich alle: Die Verfilmung von James Cameron aus dem Jahre 1997. Doch von wann stammt die erste Verfilmung?

„100 Jahre Untergang der Titanic“ im Deutschen Filmmuseum Frankfurt

Noch im gleichen Jahr der Katastrophe lief die erste Verfilmung in den Kinos. „In Nacht und Eis“, so lautet der Titel. Eine Produktion der Continental Kunstfilm, die in Deutschland gedreht wurde. Lange Zeit galt der Film als verschollen und ist heute kaum noch bekannt. Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt zeigte den Stummfilm vergangen Montag anlässlich seines Thementages „100 Jahre Untergang der Titanic“ . So machte ich mich auf den Weg ins Museum, um diese filmhistorische Rarität, die erste Titanic-Verfilmung weltweit, anzuschauen.

Filmgespräch mit Professor Michael Wedel

Der 40-minütige Stummfilm mit seiner unfreiwilligen Komik weist eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Verbindung von Dokumentarfilm und Drama auf. Die Anfangsszenen, das Beladen des Schiffs, ähnelten einem Wochenschaubericht. „Erst mit den Szenen an Bord dramatisiert der Regisseur Mime Misu den weiteren Handlungsverlauf“, erklärt Professor Michael Wedel, der mit umfangreichen Archivmaterial aus dem Nachlass Mime Misu die Filmvorführung einleitete. Mit Texteinblendungen nimmt der Film das Schicksal der Figuren vorweg und zeigt beispielsweise die Kollision mit dem Eisberg mehrmals in unterschiedlichen Situationen.

Mit unfreiwilliger Komik im Grüpelsee bei Berlin auf Kollisionskurs

Der Film ist für die damalige Zeit mit spektakulären Spezialeffekten gespickt. Für die Szene der Kollision lässt Regisseur Mime Misu die Titanic in Miniatur – getragen von leeren Bierfässern – im Wasser des Grüpelsees bei Berlin untergehen. Die Rettung der Passagiere und der Heldentod des Kapitäns sind, nicht schwer erkennbar, in hüfthohem Wasser gefilmt. Die Flutszenen drehte das Filmteam im Hinterhof der Produktionsfirma in Berlin. Die in rot, blau und gelb eingefärbten Szenen zur Verdeutlichung vom Tag und Nacht waren für die damalige Zeit nichts Außergewöhnliches, wie man heute hingegen meinen könnte. „Vermutlich war der ganze Film farblich hinterlegt“, erklärt Professor Michael Wedel im anschließenden Filmgespräch. „Leider ist das heute mit dem vorhandenen Filmmaterial nicht mehr rekonstruierbar.“

Erst 1998 wiederentdeckt und restauriert

Mit dem Konzept zum Film begann Regisseur Mime Misu bereits kurz nach der Katastrophe – in der zweiten Aprilhälfte 1912. Die Dreharbeiten folgten im Juni desselben Jahres. Zwei Monate später, am 17. August lief „In Nacht und Eis“ dann das erste Mal im Kino. „In Deutschland stieß der Film auf wenig Begeisterung, während er im Ausland sehr erfolgreich war“, erzählt Professor Michael Wedel, Leiter des Filmmuseums Potsdam weiter. Erst 1998 wurde der Film schließlich wiederentdeckt und restauriert.


Weitere Informationen: www.deutsches-fiminstitut.de

KULTURTIPP

KULTURTIPP

Der Licht-Eis-Film von Daniela Kulcsar zeigt die Zitadelle in Mainz.
(Foto: Daniela Kulcsar)


LICHT AN!


Ein Licht-Schiff wird am Wochenende am Mainufer in Frankfurt anlegen – keine Panik! Wir werden nicht von Außerirdischen oder Captain Spock überfallen. In Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet hält die Luminale 2012, die Biennale der Lichtkultur sechs Tage lang Einzug.

Rund 170 Licht-Ereignisse im ganzen Rhein-Main-Gebiet

Vom 15. bis 20. April 2012 lässt sich das ganze Rhein-Main-Gebiet zu nächtlicher Stunde luminal erkunden: So taucht fast ganz Frankfurt ein in eine Vielfalt von  Licht-Installationen, Performances und Lichtklang-Installationen. Straßen, Plätze, Brücken, Hochhäuser, Kirchen, Museen oder Galerien, der Frankfurt Hauptbahnhof, die Börse und das Mainufer – alles erstrahlt sechs Tage lang in neuem Licht. Aber nicht nur in Frankfurt gehen anlässlich der Luminale 2012 die Lichter an. Auch in Mainz, Wiesbaden oder Offenbach zeigen Lichtkünstler, was so alles in den kleinen Energiebündeln steckt. Rund 170 Licht-Ereignisse gibt es zu bestaunen.

Die Zitadelle in Mainz in neuem Licht

Lenken wir unseren Blick abseits des großen Trubels in der Mainmetropole in das 30 Kilometer entfernte Mainz, zu einer siebenköpfigen Gestaltergruppe, die auf der Mainzer Zitadelle hoch über der Stadt ihre Ideen und Innovationen zum Thema Licht präsentieren. Eine Lichtarmee, ein Licht-Eis-Film oder die Stückhüttenschächte in einem Gewand aus Licht und Farbe zählen zu den sieben Beiträgen der Gestaltergruppe „Tip Top Express“.

„Für mich ist es ein besonderer Anreiz, etwas aus einem in der Natur vorgefundenem Material heraus zu kitzeln“, erklärt Daniela Kulcsar von „Tip Top Express“. In diesem Fall gefrorenes Wasser. Daniela Kulcsar präsentiert auf der Zitadelle einen Licht-Eis-Film, der Licht, Eis und Zeit in Bezug zueinander setzt.  Die Zeit spielt in dieser Installation, projiziert an die Fassade des historischen Gebäudes, eine große Rolle. Man muss nur lange genug hinschauen, um zu erkennen, wie die Zeit den Eispanzer des Gebäudes langsam auflöst und das eigentliche Kunstwerk verfällt. „Gerade dadurch erkennen wir erst die Schönheit in diesem Prozess und dessen zahlreiche Facetten“, erzählt die Mediendesignerin weiter.

Ein fesselnder Film des Schmelzens

Für ihre Arbeit hat Daniela Kulcsar aus Eis vier Miniaturen der Zitadelle in Mainz anfertigen lassen und beim Schmelzen gefilmt. Das Abschmelzen filmte die Künstlerin in Zeitraffer viermal unter veränderten Beleuchtungsverhältnissen. Acht Stunden dauerte es, bis ein Modell vollständig in Wasser aufging. „In die Filme baute ich einen kleinen Wagen mit einer Lampe ein, der langsam um die Eisskulpturen herum fuhr“, erklärt Daniela Kulcsar. Dieser erweckt erst die Bewegungen des Lichtes im Eis zum Leben wie Gegenlichtsituationen, Reflexionen oder Lichtbrechungen. Der Licht-Eis-Film zeigt die vier Zeitrafferfilme in verschiedenen Geschwindigkeiten und in Kombination miteinander. Der Besucher sieht den Raum, in dem er sich gerade befindet, förmlich wegschmelzen.

Die „Luminale – Biennale der Lichtkultur“ ist ein internationales Lichtkultur-Festival, das alle zwei Jahre in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet stattfindet. Sie gehört zu den bedeutenden Architektur und Design-Festivals in Europa und fand erstmals 2002 statt.


Weitere Informationen:
luminale.tiptopexpress.de und www.luminale.de

KULTURTIPP

KULTURTIPP

CD Release Party Pascal van der Straaten

DER KAPITÄN LIVE IN HAMBURG

Im Hörsaal in St. Pauli präsentiert unser aktueller Kulturstuben-Künstler Pascal van der Straaten sein neues Album „Backsteinromantik in Dänemark“! Freut Euch auf abgefahrene Beats, einen wortwitzigen Kapitän und sein originelles Instrumentarium.

Heute, 21 Uhr, Hörsaal Hamburg

GEWINNSPIEL VERLOSUNG

GEWINNSPIEL VERLOSUNG

dieKulturtante-Gewinnspiel "Nomvula – After the rain"


DIE KARTEN FÜR "NOMVULA - AFTER THE RAIN" SIND VERLOST!

Die Gewinner für die Show „Nomvula – After the rain“ am 14. April 2012 im Theater tri-buehne in Stuttgart haben wir heute morgen gezogen. Die Gewinner werden wir per Mail benachrichtigen.

Vielen Dank für Eure rege Teilnahme!

dieKulturtante

GEWINNSPIEL

GEWINNSPIEL

dieKulturtante-Gewinnspiel "Nomvula – After the rain"

 

dieKULTURTANTE VERLOST KARTEN FÜR "NOMVULA - AFTER THE RAIN"

Nur noch bis Ostermontag ist Steve Bimamisa und das Projekt Diversité zu Gast in meiner Kulturstube. Habt Ihr Lust, unseren Kulturstuben-Künstler und die Show „Nomvula – After the rain“ einmal live zu erleben? Dann habe ich etwas ganz tolles für Euch: dieKulturtante.de verlost für das Konzert am 14. April 2012 im Theater tri-buehne in Stuttgart 3x2 Karten.


Wie Ihr mitmachen könnt? Schreibt mir einfach eine Nachricht unter dem Stichwort „Gewinnspiel Diversité“ an nachricht@dieKulturtante.de oder über das Kontaktformular bis einschließlich 10.04.2012! Und schon seid Ihr im Lostopf!

Die Gewinner geben wir am 11. April 2012 bekannt.

Ich wünsche Euch ganz viel Glück!

dieKulturtante

Hier gehts zu den Gewinnspielregeln

KULTURTIPP

KULTURTIPP

Turner.Monet.Twombly - Later Paintings
Cy Twombly, Untitled (Blooming: A Scattering of Blossoms and Other Things), 2007, Acryl, Wachskreide, Bleistift auf Holz, 252 x 552 cm, Privatsammlung, Courtesy Gagosian Gallery, © Cy Twombly Foundation

 

TURNER.MONET.TWOMBLY


An einem der kältesten Tage des Jahres - kaum denkbar bei den jetzigen sonnigen Frühlingstagen - machte ich mich auf in die Staatsgalerie Stuttgart zur Ausstellung „Turner.Monet.Twombly – Later Paintings“.

Twombly und Monet? Turner und Twombly? Oder Monet und Turner? Letzteres schon eher! Doch was ist mit stilistischen und zeitlichen Gemeinsamkeiten? Gleiche Interessen für atmosphärische Effekte und dem Arbeiten in Serien oder in der Auseinandersetzung mit existenziellen Themen wie Altern und Tod? Die Ausstellungsmacher jedenfalls führen diese drei wegweisenden Künstler dreier unterschiedlicher Kunstepochen unter anderem zu diesen Gesichtspunkten zusammen und versprechen neue Sichtweisen auf die Spätwerke der berühmten Maler.

Bereits über 50.000 Besucher

Die Ausstellung von Jeremy Lewison sorgte bereits in Stockholm für Aufsehen und wird im Mai diesen Jahres weiter nach London ziehen. Nahezu 70 herausragende Werke der drei Maler führte der britische Kunsthändler aus Museen wie der Tate Britain in London oder dem Musée d’Orsay in Paris sowie aus Privatbesitz und Stiftungen zusammen.
Mittlerweile konnte die Staatsgalerie Stuttgart 50.000 Besucher begrüßen - mich eingeschlossen. Bereits am ersten Ausstellungstag machte ich mich auf Entdeckungstour. Die Eintrittskarte in Form eines Aufklebers an den Kragen geklebt und schon ging es los! Auf mich warteten sieben Ausstellungseinheiten zu unterschiedlichen Themen wie "Atmosphäre", "Jahreszeiten" oder "Lebenskraft".

Eine schwebende Welt

Schon von weitem sind am Ende der Raumflucht Claude Monets Seerosenbilder erkennbar. Doch es ein anderes Bild in diesem Raum, das mich in seinem Bann zieht, mich zugleich Freude und Trauer, ja sogar Angst empfinden lässt: ein über fünf Meter langes und fast bis an die Decke reichendes gelb-rotes Gemälde. „Untiteld (Blooming: A Scattering of Blossoms and Other Things) von Cy Twombly" heißt es da in der Objektbeschriftung. Die roten Blüten auf einem strahlend gelbem Hintergrund scheinen zu schweben, zugleich durch Farbschlieren Abwärts zu stürzen. In welcher Abteilung befinde ich mich eigentlich? „Eine schwebende Welt“ steht in großen Buchstaben an der Wand geschrieben. Eine schwebende Welt - nicht nur bei Cy Twomblys riesengroßem Gemälde: Himmel und Wasser scheinen auf Claude Monets Seerosenbildern und William Turners Landschaftsstudien miteinander zu verschmelzen und den Betrachter in eine schwebende Welt hinein zu ziehen.

Im Schleier des Nebels

Alle drei Künstler weisen ein besonders ausgeprägtes Spätwerk auf. Sie experimentieren mit Neuen Formen, spielen mit Farbe und Licht oder mit Figuration und Abstraktion. Claude Monet (1840-1926) kam während seines ersten Londonaufenthaltes in den Jahren 1870 bis 1871 mit William Turners Werk in Berührung. Es folgten intensive Auseinandersetzungen mit der atmosphärischen Malerei. Mit seinen ersten Serien eines gleichen Motives zu unterschiedlichen Jahres- und Tageszeiten sowie unterschiedlichen atmosphärischen Bedingungen begann er Ende der 1880er Jahre. William Turners (1775-1851) bevorzugtes Motiv war die Landschaft. Mit seinen späten Werken, gekennzeichnet von abstrakten und expressiver Farbigkeit, gilt der romantische Maler als Vorbereiter des Impressionismus. Der im Sommer 2011 verstorbene Cy Twombly (1928-2011) soll sich von beiden Künstlern inspirieren haben lassen. Dies zeigt sich in der Weiterentwicklung Monets und Turners Bildersprache bis hin zur extremen Reduktion wie etwa das Spielen mit einer Doppelbewegung von Verbergen und Enthüllen. Genau mit diesem Berührungspunkt beschäftigt sich in der Ausstellung der Themenbereich „Atmosphäre“.

Symbole, Buchstaben und ein Name lassen sich hinter einem Farbschleier des monumentalen Gemäldes „Orpeus“ des US-amerikanischen Malers Cy Twombly erkennen, das völlig ohne Figuren auskommt. Ähnlich ungreifbar und nur schwach aus dem Lichtdunst erkennbar ist die Stadt Venedig auf dem Gemälde „Venedig mit Sanata Maria della Salute“ von William Turner aus der Zeit um 1840. Fast vollständig zu verschwinden und nur schwach hinter einem undurchdringlichen Nebel durchzuschimmern scheint die Waterloo Bridge auf dem gleichnamigen Gemäldes von Claude Monet aus dem Jahre 1902.

Neue Sichtweisen

Viele weitere Berührungspunkte wie etwa das Auflösen der Szenerie bis an die Grenze der Erkennbarkeit lassen sich in der Ausstellung entdecken und wollen gefunden werden. Die Ausstellung „Turner.Monet.Twombly – Later Paintings“ bietet in der Tat neue Sichtweisen, viele interessante Bezüge und schafft auch Nichtkunstkennern und Nichtliebhabern Moderner Kunst einen Zugang zu dieser Gattung.

„Turner.Monet.Twombly – Later Paintings“ in der Staatsgalerie Stuttgart noch bis zum 28. Mai 2012.

Weitere Informationen: www.staatsgalerie-stuttgart.de

DIE KULTURSTUBE AUF HOHER SEE

DIE KULTURSTUBE AUF HOHER SEE

 

Nächste Woche Dienstag begrüßt dieKulturtante ihren zweiten Kulturstuben-Künstler

Nur so viel sei schon einmal verraten: Die Kulturtante begibt sich auf ein Seefahrtabenteuer, auf eine Karperfahrt mit einer Jungfrau, die Bratwurstorgel spielt.

Ab dem 10.04.2012! Schaut doch mal rein!

 

Euer Team rund um dieKulturtante

dieKulturtante empfiehlt

KONZERT DEICHKIND HAMBURG

UNTERWEGS

dieKulturtante unterwegs: Deichkind

 

LEIDER GEIL: DAS KONZEPT "BIERDUSCHE"


Der Boden klebt unter meinen Füßen, weiße Federn und die typischen Arenen-Leuchtstäbe zum Selbst-zurecht-biegen zieren den Boden, neben Mülltütenresten, Bierbecher und Bierpfützen. Ich folge dem bunten Strudel seltsam kostümierter Fans, die Richtung Ausgang strömen. Nass, aber glücklich sind sie.

Kein Wunder, es war ein Heimspiel für die deutsche Elektro-Hip-Hop Band „Deichkind“ im wahrsten Sinne des Wortes. Die vier Bergedorfer Jungs „Kryptic Joe“, „Ferris MC“, „DJ Phono“ und „Porky“ haben ihre Tour in ihrer Heimat Hamburg enden lassen mit Bombenstimmung in der O2 World Arena. Trotz mehrerer Umbesetzungen und selbst nach dem plötzlichen Tod ihres Produzenten Sebi Hackert, hält sich Deichkind nun schon seit 15 Jahren wacker; und mehr noch: Ihre Songtexte sind längst zu Parolen, Teil der Partykultur und ein Stück Clubgeschichte geworden. Deichkind ist massenkompatibel, denn für jeden Partyfreund finden sich ganz viele Zeilen, die er als festives Mantra immer wieder aufsagen kann: „Yippieh yippieh yeah yippieh yeah! Krawall und Remmidemmi“/“Arbeit nervt“/“Leider geil“ sind längst Teil unseres Sprachgebrauchs geworden.

Rituelles Feiern

Bei Deichkind fühlt sich jeder im Exzess zu Hause, denn Deichkind feiert das Feiern, zelebriert das alkoholische Delirium und das schizophrene Gefühl am Morgen danach; Deichkind weckt in jedem das Bedürfnis sich zu verkleiden, loszulassen, dem Beat zu vertrauen und einfach mal prollig zu sein. Die üblichen Rituale: Bierduschen aufs Publikum mittels Riesen-Fass, Mülltütenkostüme, zusammengehalten von neonfarbenem Gaffertape, verrückte Perücken, LED-Projektionen, Hüpfburgen, Gummiboote zum Publikumswellenreiten und Dreieckshüte.

Auch wenn diese Rituale wie spontane Party-Handlungen wirken, ist das Konzert genau durch choreographiert und kommt einer künstlerischen Performance gleich. Das habe ich nun auch bei meinem dritten Deichkind-Konzert festgestellt.Was die Jungs da leisten, funktioniert nur hochkonzentriert, das Timing der Bühnenumbauten, ihre Auf- und Abgänge sind perfekt. Wer bei Deichkind eigentlich wer ist, spielt keine Rolle. Bei Deichkind gibt es keinen Star, keine klassische Rollenverteilung. Deichkind ist vielmehr ein Projekt, dass sich der Musik und den Fans verschrieben hat.

Was nach der grandiosen Konzerttour bleibt, ist das Album „Befehl von ganz unten“. Es ist leider geil.

(von Linda Marschall)